Rainer Schenk

Dr. Rainer Schenk
Zahnarzt
55 Jahre
verheiratet, 1 Kind
Angererstraße 4
83278 Traunstein
e-mail:
schenk@traunsteiner-liste.de
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Wahlkampfrede von Dr. Rainer Schenk, 22. Februar 2008

Ich werde nun über eine zukunftsfähige und nachhaltige
ENERGIEPOLITIK IN TRAUNSTEIN sprechen.
Beginnen möchte ich mit einem Zitat:
"Die Energie-und Klimafrage ist die Überlebensfrage der Menschheit". Ich wiederhole…

Wenn man dieses Zitat unserer Bundeskanzlerin ernst nimmt, dann gibt es nur einen Weg: Schnellstmöglich weg von dem umweltschädlichen fossilen und atomaren Energiesystem und hin zu einer Energieversorgung vollständig aus erneuerbaren Energien. Unser Ziel ist also die Energiewende.

In Anbetracht des global stark ansteigenden Energiebedarfs, der Klimaproblematik und der zunehmenden Risiken bezüglich einer sicheren und bezahlbaren Energieversorgung stehen unserem bisherigen Energiesystem dringendst notwendige und einschneidende Veränderungen bevor.

Diese Energiewende kostet zunächst Geld. Doch schon mittelfristig zahlen sich diese Investitionen in einer stärkeren Wirtschaftsstruktur, einer verminderten Abhängigkeit von importierten Energieträgern, die langfristige Sicherstellung der Energieversorgung und die Vermeidung weiterer Klimaschäden aus.

Um die Energiewende vor Ort zu schaffen muß für die Klima-Bündnis Stadt Traunstein umgehend ein Energie- und Klimaschutzkonzept erarbeitet und rasch umgesetzt werden. Dabei werden Energieeinsparung, Energieeffizienz und die Erneuerbaren Energien in einem Gesamtkonzept zum Ziel führen.

Hier gilt es nicht nur den Bereich Strom, sondern auch die Wärmeversorgung und den Verkehr neu und nachhaltig zu organisieren.
In all diesen 3 Bereichen sollen und müssen die Stadtwerke eine zentrale Rolle spielen. Die Stadt Traunstein muß unbedingt im Besitz der Stadtwerke bleiben um sich so die Handlungsmöglichkeiten zu erhalten.

Nun zur Stromversorgung in Traunstein: Bei einem jährlichen Stromverbrauch von gut 100 Mio. kwh werden heute rund 6 Mio. kwh aus erneuerbaren Energien im Stadtgebiet Traunstein erzeugt. Dazu zwei Szenarien für die Zukunft: Für die Jahre 2015 und 2025.
Zunächst muß nochmals betont werden, dass durch Energieeinsparung und effizienterer Energienutzung in den nächsten Jahren, der Stromverbrauch erheblich reduziert werden kann und muß! Bis 2015 auf 85 Mio.kwh und bis 2025 auf 70 Mio.kwh. Dann kann der restliche Strombedarf vollständig aus Erneuerbaren Energien gedeckt werden. Das kann dann folgendermaßen ausschauen:

Für das Jahr 2015:
6 Mio. kwh aus Wasserkraft
7 Mio. kwh aus Bioenergien (Bioabfälle, Holz, Pflanzenöle aus der Region, Klärgas, Biogas…)
8 Mio. kwh aus Windenergie (2 Windräder)
10 Mio. kwh aus Photovoltaik
und eventuell 10 Mio. kwh aus Geothermie, das wären dann zusammen bereits gut 40 Mio. kwh umweltfreundlicher Strom und fast die Hälfte des Strombedarfes.
Im Jahr 2025 könnten dann
8 Mio. kwh aus der Wasserkraft
15 Mio. kwh aus Bioenergien
20 Mio. kwh aus der Windenergie (5 Windräder)
20 Mio. kwh aus Photovoltaik
und 10 Mio. kwh aus Geothermie gewonnen werden.
Dies würde bedeuten, dass sogar etwas mehr als die nötigen 70 Mio. kwh Strom mit Hilfe des solaren Energiemixes erzeugt werden könnten.

Besonders deutlich wird , dass ohne Nutzung des gewaltigen Potentials bei der Windenergie und der Photovoltaik (Dächer, Fassaden, Verkehrsflächen) das Ziel der Energiewende im Stromsektor nicht zu schaffen ist!

Zur Wärmeversorgung in Traunstein:
Vorweg eine beeindruckende Zahl: Jahr für Jahr werden in TS rund 20 Mio. Euro für Heizöl und Erdgas bezahlt!

Mit dem Hackschnitzelheizwerk in Geißing und den 3 mit Bioenergien betriebenen Blockheizkraftwerken ist ein, wenn auch bescheidener Anfang, gemacht. Auch hier gilt ganz besonders "runter mit dem Wärmebedarf" sowohl im Altbestand der Gebäude, hier liegt ein Einsparpotential von bis zu 60 %!, als auch beim Neubau. Die Devise muß lauten: Dämmen, dämmen und nochmals dämmen. Bei Neubauten darf man sich mit den heute üblichen Niedrigenergiehäusern nicht zufrieden geben. Mindestens Passivhäuser oder Sonnenhäuser müssen umgehend zum Standard werden. Übrigens werden Häuser als Sonnenhäuser bezeichnet, wenn diese mindestens 50% des Energiebedarfes direkt mit der Kraft der Sonne decken, aber auch 100% Deckung ist mit der heutigen Technik bereits möglich. In Zukunft wird es darüber hinaus aber unerlässlich sein sogenannte Plusenergiehäuser zu bauen. Dabei wird in dem bestens gedämmten Gebäude mit Hilfe von thermischen und elektrischen Solaranlagen mehr Strom und Wärme erzeugt als selbst verbraucht wird. Dass dies keine Vision ist, beweisen die bereits realisierten Plusenergiehäuser. Diese werden mit natürlichen Baustoffen und zu einem marktfähigen Preis gebaut und können sowohl als Einfamilienhäuser, als Mehrgenerationenhäuser sowie im Siedlungsbau erstellt werden.

Zurück zum Gebäudebestand: Wie schon gesagt: Als erstes muß bestmöglich isoliert werden. Dann folgt die Deckung des Restwärmebedarfes mit Erneuerbaren Energien. Dazu steht uns eine vielfältige Palette an Möglichkeiten zur Verfügung:
- Hackschnitzelanlagen
- Pelletheizungen
- Sterlingmotoren
- Blockheizkraftwerke, welche unterschiedlichst betrieben werden können: z.B. mit Pflanzenölen aus der Region, Biogas, aber auch mit Holz und Pellets
und schließlich auch Geothermiekraftwerke.

All diese Heizwerke erzeugen Wärme welche in den Gebäuden selbst erzeugt wird oder besser, weil effektiver als Einzelanlagen, über Nahwärmenetze in die zu beheizenden Gebäude geliefert wird. Ein gutes Beispiel, dass dies auch bei einer gewachsenen Altbaustruktur funktioniert ist Reit im Winkl. In Traunstein müssen schrittweise mehrere Heizwerke mit den dazugehörigen Wärmenetzen in den verschiedenen Stadtteilen gebaut werden. Am allerbesten, am effektivsten und ökologischten ist natürlich die bereits mehrfach angesprochene Anwendung von Blockheizkraftwerken, bei denen gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt wird! Dazu gehören auch die Geothermiekraftwerke, wie derzeit in Traunreut geplant. Noch eine kurze Anmerkung zu den Biogasanlagen: Hier ist es mittlerweile auch technisch möglich Biogas in das bestehende Erdgasnetz einzuspeisen und dieses dann an gewünschter Stelle zur Wärme- und Stromerzegung oder auch als Treibstoff zu nutzen. Es gibt sogar schon eine Biogas-Handelsplattform. ( BMP Greengas GmbH in München. Stadtwerke können dort Biomethan kaufen. 7,5 cent Biomethan, 6.5 cent Erdgas für den Endverbraucher).

Wie man sieht:
Es gibt ausreichend Möglichkeiten auch die Wärme-versorgung in Taunstein vollständig mit dem solaren Energiemix zu bewältigen.

Selbstverständlich geht das nicht von heute auf morgen, aber wenn es mit Mut, echtem Willen und sofort angepackt wird, dann ist die Energiewende in den nächsten 20 Jahren zu schaffen.

Jetzt noch kurz zum Verkehr:
Hier möchte ich auch auf das Verkehrskonzept von Simon Steiner verweisen. Grundsätzlich lautet auch hier die Marschrichtung: Verkehrsvermeidung und damit auch Energievermeidung sowie den Restenenergiebedarf für den Restverkehr mit Erneuerbaren Energien decken. Dabei wird in Zukunft der Elektro-Antrieb eine entscheidende Rolle spielen. Der Strom hierfür muß selbstredend aus Erneuerbaren Energien stammen. Die Reihenfolge bei der Mobilität muß lauten: Zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, dann Carsharing oder Fahrgemeinschaften bilden ( www.mifaz.de/TS) und so wenig wie möglich allein mit dem Auto, welches dann möglichst umweltfreundlich, also mit geringem Spritverbrauch und CO2-arm, sein muß. Und in baldiger Zukunft muß dann der erwähnte Elektro-Antrieb genutzt werden. (E-Auto als Netzpuffer, als Stromspeicher!!! Alle 45 Mio. PKWs ( mit Batterie !) könnten einen ganzen Tag lang ganz Deutschland "am laufen" halten, auch wenn alle Kraftwerke gleichzeitig ausfallen sollten)

Abschließend bleibt festzuhalten, dass umgehend ,wie anfangs gesagt, ein ganzheitliches Energie-und Klimaschutzkonzept für die Klima-Bündnis Stadt Traunstein erstellt und rasch umgesetzt werden muß.

Erste konkrete Maßnahmen könnten unter anderem sein:
- Einführung einer solaren Baupflicht zur verbindlichen Nutzung der Solarenergie in Gebäuden. Sowohl bei Neubauten, als auch in bestehenden Gebäuden, wenn diese erweitert oder verändert werden.
- Ausweisung vonVorranggebieten für Windräder (wie es die Gemeinde Waging bereits getan hat).
- Sämtliche städtische Gebäude mit Solaranlagen bestücken und bestens dämmen.
- Solarstraßenlaternen einsetzen, diese sind nicht nur ökologischer, sondern in vielen Fällen heute schon wirtschaftlicher.
- Abnahme von Strom und Wärme aus Energieerzeugungsanlagen auf Basis erneuerbarer Energien durch die Stadtwerke Traunstein zu garantierten Preisen.
- Einführung einer Verpflichtung zur Wärmedämmung nach Passivhausstandard.
- Die Stadtwerke müssen echten Ökostrom anbieten.
- Die Verlegung von Nahwärmeleitungen bei Straßensanierungen.
Und vieles mehr!!!


Eine Menge an einschneidenden Veränderungen müssen angepackt werden, zügig, ubeirrbar, und immer mit dem Ziel der Energiewende vor Augen, dem Ziel der dezentralen Energieversorgung, der Energieversorgung vor Ort, vor der Haustüre zu 100% mit Erneuerbaren Energien. Dazu bedarf es in der Stadtverwaltung eines eigenen Energiemanagement, welches über hoch qualifizierte Fachkräfte verfügt.

Und ein weiteres:
Mögliche Investoren dürfen nicht, wie vor kurzem bei dem geplanten Windrad in Kammer, von vornherein abgeschreckt werden. Im Gegenteil administrative Hürden müssen abgebaut werden.

Die Stadt Traunstein sowie die Stadtwerke Traunstein müssen auch selbst Schritt für Schritt in die Energiewende investieren, mit dem Wissen, dass dieses Geld bestens angelegt ist um einen überaus wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Klimaerwärmung zu leisten, um eine Energieversorgung ohne Abhängigkeiten aus dem Ausland und zu bezahlbaren Preisen auch in Zukunft zu ermöglichen.

Die Energiewende ist möglich, man muß sie nur wirklich wollen, keine weitere Zeit mehr verlieren und es entschlossen angehen.
In den letzten 20 Jahren wurde viel geredet und wenig gehandelt, jetzt ist die Zeit der Taten, denn es bleibt uns nicht mehr viel Zeit !

" Die Energie- und Klimafrage ist die Überlebensfrage der Menschheit".

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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