Am 14.5. veranstaltete die Traunsteiner Liste einen Vortrag mit Debatte zum Thema 5G. Robert Gastager war unser Vortragender.

Wir bedanken uns bei Xaver Eichstädter für einen Artikel in Chiemgau 24, den wir hier posten dürfen.

Traunstein – Manche freuen sich, manche wägen Chancen und Risiken ab und manche fürchten sich: In Traunstein wurde in einer Infoveranstaltung der Frage nachgegangen, was durch 5G auf uns zukommt.

Wer braucht 5G? Wer profitiert und wer verliert? Welche Auswirkungen könnte 5G auf unser tägliches Leben und unsere Gesundheit haben? Diesen Fragen ging am Dienstagabend der langjährige Traunsteiner Stadtrat Robert Gastager auf den Grund. Für die „Traunsteiner Liste“ versuchte der Systemtechniker von Beruf antworten zu geben.

Was ist 5G und wer hat ein Interesse daran?

5G – das steht einfach für fünfte Mobilfunkgeneration, gemeint ist aber eine Funkkommunikation im Frequenzbereich ab etwa drei Gigaherz aufwärts, die eine schnellere Datenübertragung erlaubt. Derzeit versteigert die Bundesregierung 5G-Lizenzen. Auch gewöhnliche WLan-Router funken bereits im Bereich von zwei oder drei Gigaherz, doch in Zukunft wird es um Frequenzbereiche von bis zu 20 Gigaherz oder mehr gehen. 

Wozu? „Das größte Interesse daran hat die Autoindustrie„, so Gastager. Er selbst war zuletzt an der Marktanalyse für einen japanischen Autozulieferer beteiligt und weiß vom Reiz von 5G für die Autoproduzenten. Stichwort: Autonomes Fahren. „Die Autos müssen dabei mit ihrer Umgebung kommunizieren können, sie tauschen Bilder und Daten mit anderen Autos aus, mit Infrastruktur auf den Autobahnen oder mit intelligenten Datenuhren von Fußgängern“, so Gastager. 

Autonomes Fahren, vollautomatische Fabriken und „smarte“ Produkte

Zwar sei weit verbreitetes autonomes Fahren noch einige Jahrzehnte entfernt, schätzt Robert Gastager, doch einige Details gibt es schon jetzt – Details, die sich gut vermarkten lassen, wie automatisches Spurhalten. Zwischen München und Ingolstadt gibt es bereits eine 5G-Teststrecke. In China sei die sogenannte Telematik für Elektroautos schon vorgeschrieben, dort sammelt der Staat die Daten, bei uns ist das den Autofirmen vorbehalten. Aber auch Versicherungsunternehmen hätten bereits ihr Interessen angemeldet. 

Weitere Hauptinteressenten von 5G sei die Industrie, um vollautomatische Fabriken zu bauen und schließlich auch die Produzenten von „smarten“ Alltagsprodukten: Uhren, Klamotten, Sportequipment oder Haushaltsgeräte werden zunehmend vernetzt. „Theoretisch könnte fast alles durchdrungen werden“, so Gastager: „Für die Industrie wirklich entscheidend wird aber eine hohe Abdeckung in der Fläche. Wenn Funkverbindungen abbrechen kann es beim autonomen Fahren keine Sicherheit geben.“ Schon ein Baum könne die Verbindung unterbrechen.

Auswirkungen für unseren Alltag und unsere Gesundheit

Diese hohe, geforderte Netzverbreitung wird dann auch jeden betreffen, der keine vernetzten Produkte nutzt: „Je höher die Frequenz umso niedriger ist die Reichweite und umso mehr Antennen werden gebraucht“, so der Traunsteiner Systemtechniker. Bestehende Masten werden aufgerüstet, schätzt Gastager, aber auf Dauer müsse das Antennennetz viel enger werden: „Oder die Leistung wird unerlaubt hinaufgedreht“, befürchtet Gastager. 

Und die gesundheitlichen Folgen? „Inzwischen gibt es ja kaum noch Widerstand gegen Mobilfunkmasten, aber die Folgen für den Menschen sind nach wie vor unklar“, so Gastager. Bisher sei nur weniges erwiesen, zum Beispiel dass Mobilfunk den Körper erwärmt. Zu den viel höheren Frequenzen im zweistelligen Gigaherzbereich gäbe es noch kaum Ergebnisse und Untersuchungen.

„Auch wenn es keine negativen Konsequenzen für die Gesundheit geben sollte, droht noch immer die Überwachung“, so Gastager: „Technisch sind wir ja heute schon weit über George Orwell hinaus.“ Ein erster Schritt wäre, dass Auto- oder Gesundheitsversicherungen die Daten der 5G-vernetzten Autos, Sport- und Haushaltsprodukte nutzen. Jemand der täglich Joggen geht oder einen zurückhaltenden Fahrstil nachweisen kann würde dann geringere Versicherungsbeiträge zahlen.